Kreativität und Lernen

„Die einzig revolutionäre Kraft ist die Kraft der menschlichen Kreativität“ (Joseph Beuys)

 

Wissen allein stellt keinen Vorteil mehr dar. Erfolgreich ist, wer Wissen richtig kombinieren kann. Außerdem: Kreativität unterscheidet den Menschen vom Computer – bis jetzt zumindest.

Daher untersucht dieser Artikel die Frage: Kann man Kreativität überhaupt lernen?

Kreativität wird mit begnadeten Künstlern, mit Kunsthandwerkern oder mit talentierten Schriftstellern assoziiert. Meist verbinden wir positive Eigenschaften bis hin zu jenen, die einen Hang zum Chaos beschreiben. Wer kreativ ist, ist weniger in der Lage, logisch zu denken, aufzuräumen oder gar die Steuererklärung auszufüllen. Strukturiert und kreativ sind Gegensätze. Ist das so?

Bist du kreativ?

Kreativität in der Forschung

Der erste der sich mit Kreativität befasst hat war Joy Paul Guilford (1897 bis 1987). Mit seiner These: „Jeder Mensch ist kreativ“ widersprach er dem bis dahin vorherrschenden Hochbegabten-Paradigma und öffnete die Tür für ein breiteres Kreativitätsverständnis und nachfolgende spezielle Kreativitätsforschungen.

Merkmal 1: Kreativität schafft Neues

Helmut Schlicksupp, ein weiterer Wegbereiter der Erforschung und Anwendung von Kreativitätstechniken in Deutschland beschreibt Kreativität wie folgt:
„Kreativität ist die Fähigkeit von Menschen, Kompositionen, Produkte, Ideen gleich welcher Art hervorzubringen, die in wesentlichen Merkmalen neu sind und dem Schöpfer vorher unbekannt waren.“

Merkmal 2: Wer kreativ ist, überwindet bekannte Denkmuster

Die „Gesellschaft für Kreativität“ führt darüber hinaus den Ausdruck „Überwindung bisheriger Denkmuster ein“.
Kreativität ist „die Fähigkeit Wissen und Erfahrungen aus verschiedenen Lebens- und Denkbereichen unter Überwindung verfestigter Denkmuster zu neuen Ideen zu verschmelzen.“

Ist Kreativität lernbar?

Edward de Bono – ein weiterer Pionier der Kreativitätsforschung beantwortet diese Frage wie folgt: „Jeder Mensch ist von Geburt aus kreativ; den meisten mangelt es nur an der Methode.“

Manche behaupten auch, dass ihnen die Kreativität in der Schule sukzessive abtrainiert wurde. So einfach ist es sicherlich nicht. Schule, Bildung und das eigene Lernverhalten folgen nicht nur den Vorgaben der Lehrer, sondern vielfältigen Einflüssen aus Kultur und Gesellschaft.

Wenn wir über Kreativität nachdenken, müssen wir uns wie oben gesehen zwei Merkmale genauer ansehen: „Neuheit der Ergebnisse“ und „Überwindung bisheriger Denkmuster“.

De Bono führte dazu zwei Begriffe ein, die sich in der Forschung zu Kreativitätstechniken etabliert haben:

Das vertikale und das laterale Denken

Kreatives Denken

Kreativitätsforschung: Laterales und vertikales Denken

Vertikales Denken verläuft entlang erlernter Pfade (bewusst und unbewusst erlernt). Vertikales Denken ist nicht sprunghaft, sondern folgt weitestgehend logischen und kausalen Zusammenhängen. Diese Art von Denken kann angenehm und entlastend sein. In manchen Situationen schützt uns vertikales Denken vor Unfällen: zum Beispiel dann, wenn wir eine Straße überqueren. Wir haben „gelernt“, wie wir das Problem „befahrene Hauptstraße“ lösen. Wir schauen nach links und nach rechts und dann wieder nach links. (In England müssen wir uns mühsam umstellen und erst nach rechts und dann nach links schauen). Wir warten eine Lücke ab, und gehen bis zum Mittelstreifen, halten dort wenn nötig wieder an …

Bitte überquere niemals eine Straße „kreativ““! Bitte folge deinem vertikalen Denken!

Was passiert jedoch, wenn sich unsere Umwelt so verändert, dass die uns bekannten Lösungsmuster nicht mehr zu der veränderten Realität passen? Oder was passiert, wenn wir kein bekanntes Lösungsmuster zur Verfügung haben?

Unser Gehirn wählt dann gerne die der Aufgabe am nächsten gelegenen Lösung – ob sie wirklich geeignet ist, sei dahingestellt.

Hier ist laterales Denken gefordert. Laterales Denken verlässt bekannte Denk- und Erklärungsmuster. Es lebt davon, abseits von antrainierten Mustern nach Lösungen zu suchen, oder gar in fernen Wirkungszusammenhängen neue Lösungsräume zu erschließen. Es widerspricht dem Drang des Gehirns, auf ihm bekannte Muster zur Problemlösung zurückzugreifen.

Kreativ denken heißt lateral denken.

Wichtig: Es soll hier nicht darum gehen, laterales oder vertikales Denken zu werten. Es gibt Aufgaben, die effektiv und erfolgreich mit dem vertikalen Denken gelingen. Mit dem lateralen Denken und viel Kreativität würden sie ausufern. Ebenso sind bei manchen Aufgaben, die Randbedingungen so eng gefasst, dass jeder kreative Ansatz zu Frustration und Fehlern führen würde. Erfolgreiche Problemlösungsvorgänge zeichnen sich dadurch aus, dass vertikales und laterales Denken kombiniert eingesetzt wird.

Ziel sollte also sein, bewusst zwischen den Denkmodi umschalten zu können.

„Jetzt denke ich lateral“ oder „Jetzt denke ich vertikal, um meine lateral gefundenen Lösungswege zu überprüfen.“
Wir sehen hier auch, dass es in der Kreativitätsforschung vornehmlich um den Einsatz der Kreativität zur Lösung von Problemen geht.
Beim kreativen Schreiben wollen wir auch die Kreativität um ihrer selbst willen einüben. Auch dafür helfen die Ansätze der Kreativitätstechniken, da wir Kreativität nur lernen, wenn wir sie ERLEBEN.

Andere Vorreiter der Kreativitätstechniken wie Eva W. Birkenbihl oder Gabriele L. Rico entwarfen andere (Birkenbihl) oder ähnliche (Rico) Erklärungsmuster. Gemeinsam ist ihnen das Bestreben, der Kreativität einen größeren Raum zu geben. In Technik, Wissenschaft, Sprache, Bildung, Werbung – kurz überall führen kreatives Denken und Handeln zu neuen, Muster überwindenden Ergebnissen. Dazu ist jeder fähig – es bedarf einzig ein wenig Training.

„Tausendfach und erfolgreich erprobt!“

Wer weitere theoretische Ansätze, empirisches Anschauungsmaterial und eine Fülle an praktischen Übungen sucht, wird in dem Buch von Lutz von Werder fündig: „Lehrbuch des kreativesn Schreibens“. Dieses Fachbuch leitet zur Durchführung und Auswertung kreativer Schreibgruppen an und entwirft Strategien zur Durchsetzung am Markt und in den Institutionen. Als setzt es sich fundiert und voller Anregungen für eine Ausbreitung des Kreativen Schreibens in Deutschland ein.

  • Lehrbuch des Kreativen Schreibens von Lutz von Werder.
    Verlag: marix Verlag ein Imprint von Verlagshaus Römerweg
    Auflage: 2 (1. Februar 2016)
    ISBN-13: 978-3865391483

Vera F. Birkenbihl: Kreativitätstechniken zur Erweiterung des Wissens

Vera F. Birkenbihl geht noch einen Schritt weiter: Nutzen wir unsere Kreativität um zu Lernen! In ihren zahlreichen Publikationen und Seminaren zeigte sie eine Fülle von Anleitungen und Techniken. Der Kern ihrer Argumentation: 15mm contra 11 Km. Stellen wir uns unser gesammeltes Wissen als Faden vor, so beansprucht der bewusste Teil lediglich 15mm (!). Hingegen können wir mittels Kreativitätstechniken auf einen Pool aus zunächst unbewusstem Wissen von 11 Kilometern (!) zugreifen.
Denn: Wissen verknüpft sich in Wissensnetzen. An jedem „Wissensfaden“ hängen unbewusste Assoziationen. Wenn wir unser Wissen erweitern, erweitern wir exponential unsere Assoziationen und damit unser Wissensnetz.

Fazit: Kreativität ist lernbar – es braucht nur Übung. Als Wegbereiter für mehr Kreativität dienen uns Kreativitätstechniken. Sie helfen, übliche oder zu naheliegende Betrachtungs- und Lösungsmuster zu überwinden, und schaffen auf diese Weise Neues. Wer kreatives Schreiben lernt, trainiert sein laterales Denken, und erweitert so seinen Handlungsspielraum auch in allen anderen Lebensbereichen.

Mehr dazu wo du kreatives Schreiben lernen kannst

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